Warum Ziele nicht glücklich machen

...und was du stattdessen ausprobieren kannst.

In diesem Artikel geht es darum, …

  • warum Ziele Fallen sein können
  • warum Systeme und Gewohnheiten wichtiger sind als Ziele
  • worauf du beim Aufbau von Systemen achten solltest

The Score takes care of itself.

Bill Walsh

Ziele

Ziele sind am Ergebnis orientiert, sagen aber nichts über den Weg dahin aus und Ziele haben auch noch ein paar andere Fallstricke:

1. Ziele machen nicht glücklich
Ziele suchen die „Belohnung“ am Ende: Entweder wir gewinnen oder wir verlieren. Leider hält diese „Belohnung“ meist nicht lange an: Wenn wir verlieren, sind wir enttäuscht oder frustriert, wenn wir gewinnen sind wir zwar zunächst zufrieden, fallen aber danach oft ebenfalls ein Negativ-Loch. Dies führt dazu, dass wir durch ein Ziel nicht erfüllt werden. Entweder wir streben bereits kurz danach das nächste Ziel, den nächsten Kick an oder wir kommen gar nicht mehr von der Couch runter.

2. Ziele reißen uns aus dem Hier und Jetzt
Ziele zu verfolgen, bringt uns in eine „Wenn…dann…-Mentalität“. Wenn ich erst xy erreicht habe, dann bin ich ein besserer Mensch. Das Hier und Jetzt ist nur ein Mittel, um zu etwas anderem zu gelangen. Dadurch projizieren wir viel, auch unberechtigt auf die Zukunft und sind bereit hier und heute viel zu opfern. Dies führt dazu, dass wir das Ziel überladen und sogar nach der Zielerreichung nicht zufrieden sind. Übrigens, auch die „um zu…-Mentalität“ ist problematisch. Was alles tun wir, um in der Zukunft etwas zu erreichen. Dabei auch Dinge, hinter denen wir nicht stehen. Wie weit gehen wir dabei? Wie sehr handeln wir gegen unsere aktuellen Bedürfnisse, unsere Überzeugungen, Glaubenssätze und Präferenzen. Ist es das wirklich wert?

3. Ziele verursachen Stress
Wer schon mal eine Masterarbeit geschrieben oder einer anderen Deadline hinterhergerannt ist, der weiß, wie viel Stress Zielerreichung verursachen kann. Das mag ein Motivator sein, den manche von uns manchmal brauchen, grundsätzlich stellt sich aber immer die Frage, ob wir uns diesen Stress antun wollen. Denn Stress ist meistens nicht gesund.

You don’t rise to the level of your goal. You fall to the level of your system.

James Clear, Atomic Habits

Vom Ziel zum System zur Gewohnheit

Ziele allein garantieren keinen Erfolg. Viele Leute haben ähnliche Ziele: xy Kilogramm abnehmen, Weltmeisterin werden, ein Buch veröffentlichen… und nur einige erreichen sie.

Also: Es ist nicht das Ziel, das uns zum Erfolg bringt, sondern etwas anderes: Nämlich, das System, mit dem wir das Ziel zu erreichen versuchen.

Beim System geht es um den Weg, beim Ziel eben um das Ziel.

Kennst Du das? Es meldet sich spontan Besuch an und die kriegst die Krise, weil du die Wohnung noch aufräumen musst. Wenn der Besuch dann kommt, bist du so k.o., dass du ihn gar nicht genießen kannst. Das Ziel (=ordentliche Wohnung) hast du zwar erreicht, aber zu welchem Preis? Besser wäre doch, ein System zu haben, dass dafür sorgt, dass deine Wohnung mit ganz wenig Aufwand zu jeder Zeit besucherready ist.

Im Idealfall wird ein System zu einer Gewohnheit. Der Reiz daran ist, dass wir über Gewohnheiten und Routinen nicht mehr nachdenken müssen. Wir führen sie automatisch aus, damit ist sichergestellt, dass sie passieren und gleichzeitig haben wir mentale Kapazitäten für anderes frei.

Ein gutes System oder eine gute Gewohnheit ist die eine Entscheidung, die 100 andere überflüssig macht.

Beispiel: „Ich esse keinen Zucker.“ Wenn das deine Gewohnheit ist, brauchst du nicht jedes Mal darüber nachdenken, ob du den Kuchen, den Keks oder die Schokolade ist, denn du isst keinen Zucker. Basta. Alles klar?


Der Charme eines Systems

Wenn du deinem System folgst, bist du voll und ganz im Hier und Jetzt. Warum? Ganz einfach, weil dein System nicht sagt „Wenn ich ein Buch veröffentlich habe, bin ich eine Autorin.“, sondern „Weil ich jeden Tag schreibe, bin ich eine Autorin.“

Also: „Weil/Wenn ich xy tue, bin ich xy = HAPPY“. Das System sollte schon jetzt dazu beitragen, dass du zufriedener und glücklicher bist oder dich besser fühlst. Die Belohnung liegt nicht irgendwo in einer ungewissen Zukunft, sondern sie ist Teil der Lösung.

Damit ein System zu einer Gewohnheit wird, muss es gut aufgesetzt sein.

Wie setze ich ein System auf

  1. Das System sollte einem für dich persönlich bedeutsamen Ziel dienen – nur um Sicherzustellen, dass es dich in die richtige Richtung führt. Achtung: Priorisieren!!! Mache nicht alles, was „man machen soll“ (Meditieren, Journaling, Yoga, Sport, Lesen, Aufräumen, Zahnseide….), sondern wähle das, was dir wirklich ein Anliegen ist.
    Tipp: Das Buch „Essentialism“ von Greg McKeown
  2. Das System sollte sich gut in deinen Alltag einfügen lassen. Mach‘ es nicht zu kompliziert und vor allem: Fange klein an. Nicht „Ich jogge jeden Tag 10 km“, sondern „Ich gehe 5x pro Woche mit meinen Joggingschuhen vor die Tür“. Wenn der mentale Marker erstmal gesetzt ist, passiert es ganz von allein und wird dann ohne viel Widerstand größer.
    Wie sagte eine meiner Grundschullehrerinnen immer: „Jeder kann einen Elefanten essen, wenn er ihn in viele kleine Teile teilt.“
    Tipp: Das Buch Atomic Habits von James Clear
  3. Am Anfang brauchts ein bisschen Energie bis dein System in Gang kommt – wie eine alte Dampflok eben. Investiere sie, es lohnt sich. Und wenn es erstmal Fahrt aufgenommen hat, dann reißt es dich mit und gibt dir alles zurück…ehrlich.
  4. Prüfe dein System: Das heißt nicht, dass du dein System jeden Tag hinterfragst und auf den Prüfstand stellst. Aber in regelmäßigen sinnvollen Abständen, prüfe ob dein System noch angemessen ist und passe ggf. an.
  5. „Mach‘ nicht einfach irgendwas“ – am Anfang darfst du ein bisschen nachlässig damit sein, wie du deine neue Gewohnheit umsetzt. Statt Joggen, eine Runde in Joggingschuhen um den Block laufen ist fein. Wenn du aber nach einiger Zeit feststellst, dass du nur noch irgendwas machst, überlege, ob das nicht Zeitverschwendung ist. Die schwerste Arbeit ist getan, das System ist aufgesetzt und funktioniert, also nutze es so, dass es sichtbare Effekte bringt.
  6. Wenn’s hart wird, wenn das System wackelt: Keine Schlupflöcher: „Ach, ich hatte so einen anstrengenden Tag, heute lasse ich das Training ausfallen.“, „Einmal ist keinmal.“ „Morgen mache ich dafür doppelt so viel“ – ja, natürlich kannst du mal einen Tag „ausfallen“ lassen. Ein Mal – und du weißt, je mehr du ausfällen lässt, desto härter wird das Zurückkommen! Also: Triff bewusste, klare Entscheidungen, keine Herumdruckersereien und wenn notwendig, ändere dein System, aber mach es bewusst, statt dir selbst etwas vorzumachen.
    Tipp: Das Buch „Better than before“ von Gretchen Rubin

Not practice makes perfect. Perfect practice makes perfect.

Richard Turner

Das Wichtigste in Kürze

Erst Rom, dann die Alpen, dann die Elefanten.

Das Zitat bezieht sich auf Hannibals Marsch auf Rom und will in diesem Kontext heißen: Erst das Ziel (die Richtung), dann der Weg, dann die Mittel. Weg und Mittel können als System zusammengefasst werden und sich mit der Zeit im Idealfall in Gewohnheiten verwandeln, die kaum Willenskraft, Selbstdisziplin und mentale Kapazitäten fordern. Denn die Entscheidung ist schon vor langer langer Zeit getroffen worden, du musst jetzt nicht mehr darüber nachdenken.

Das Ziel allein bringt dir im Hier und Jetzt wenig, deshalb ist es nicht ratsam, sich zu sehr auf das Ziel zu konzentrieren. Suche dir einen Weg, der dir Freude bereitet und Mittel, mit denen du den Weg gern beschreitest. Und dann los….

Am Anfang braucht’s ein bisschen Anschubenergie, aber schon bald flutscht es wie von selbst. Versprochen!

Von Zeit zu Zeit mache ein kurze Pause am Wegesrand und prüfe, ob dein Weg und deine Mittel noch angemessen und zielführend sind, wenn nicht, verändere etwas.

Na dann mal los…

„The Core of a fulfilled life is knowing that every moment is a choice.“

Rod Stryker

Und falls du lieber hörst als liest, hier gibts alles auch zum Anhören:

recreate.your.self* – Podcast – Ziele vs. Systeme

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