Zeit zu Geben und zu Empfangen

Wir sind Wellen desselben Meeres, Blätter desselben Baumes, Blumen desselben Gartens (Seneca)

Diese Zeit ist eine Zeit des Gebens und auch des Annehmens.

Wer lieber hört als liest, der kann das hier tun:

Manchen von uns wurde von heute auf morgen quasi ihr ganzes Einkommen genommen, andere verdienen sehr viel weniger als normalerweise. Wieder andere sind von der aktuellen Situation finanziell nicht betroffen, arbeiten vielleicht sogar deutlich mehr als sonst. Wo wir selbst in diesem Spektrum stehen, haben wir nicht bewusst gewählt, es ist ein großes Stück „Zufall“ (wie immer man den definieren mag). Hätten wir oder andere nur einige Entscheidungen in unserem Leben anders getroffen, wären wir jetzt „auf der anderen Seite“. Es hat nichts mit Bildung zu tun, nichts mit Leistung, es passiert einfach und wir müssen es annehmen und uns damit arrangieren.

Wer finanzielle Reserven hat, kann zumindest noch ruhig schlafen. Der Staat sagt Hilfe zu und für manche fließt sie schnell. Andere warten auf die langsamen Mühlen der Bürokratie oder werden von A nach B und nach C geschickt, bis sie eine für ihren Fall zuständige Stelle finden. Und manche finden keine, solange sie auch suchen. Viele passen eiligst ihre Geschäftsmodelle an, um auch jetzt wenigstens einen Teil ihres Einkommens erwirtschaften zu können. Doch wirklich genug wird es kaum sein. Dennoch: Hier in Deutschland geht es uns, in fast egal welcher Situation wir sind, noch verhältnismäßig gut.

Doch: Diese Zeiten sind auch Zeiten der Solidarität und der Menschlichkeit, Zeiten der gegenseitigen Unterstützung und Hilfe. Zeiten des Gebens derer, die können, und des Annehmens, derer die brauchen. Wohlwissend, dass sich das Blatt schnell wieder wenden und die Seiten sich vertauschen können.

Dana – von Herzen geben

Im Buddhismus gibt es die schöne Praxis des Dana. Viele Lehrenden, auch hier im Westen, nehmen kein Lehrhonorar, sondern leben gänzlich von Spenden ihrer Schüler*innen. Wer schon einmal an einem solchen Meditationskurs teilgenommen hat, kennt diese Unsicherheit, die uns überkommt, wenn etwas Wertvolles, was wir empfangen haben, keinen „Preis“ hat. Wenn wir geben sollen, was wir angemessen finden und geben können. Und zwar nicht weil die Spende ein nettes „Add on“ ist, sondern weil wir damit den Lebensunterhalt eines Menschen finanzieren.

„Was ist es mir wert?“ und „Was kann ich geben?“ sind die Leitfragen.

Dann geht das innerliche Rechnen, Argumentieren, Erklären, Entscheiden, Abwägen und Zweifeln los. Es ist keine einfache Praxis, dieses Dana, dieses Geben.

Die jetzigen Zeiten sind Zeiten, in denen wir alle Dana praktizieren können, indem wir uns fragen: „Welche Menschen oder Einrichtungen, die für uns wertvoll sind, die unser Leben bereichern, haben gerade eine besonders schwere Zeit, sind „bedürftig“?“

Sei es unser Lieblingscafé, unser Yogalehrer, unsere Tango-Schule, unser liebster Second-Hand-Laden, der Italiener um die Ecke, dein Fitnesscoach, der Kiez-Buchladen oder der Club deiner Wahl. Vielleicht ist es auch noch direkter, noch persönlicher: Gute Freunde oder Familienmitglieder sind betroffen und du möchtest sie unterstützen.

Meine Empfehlung: Gib‘ nicht einfach nur, sondern mache eine bewusste Praxis daraus. Ich habe das für mich persönlich vor einigen Tagen getan und es ist wirklich bereichernd.

Deine persönliche Dana-Praxis

  1. Versetze Dich in eine Haltung des Gebens. Es geht darum, aus vollem Herzen, mit ganzer Präsenz und wirklich gerne zu geben. Denke daran, du gibst nicht nur Geld oder Dinge, sondern auch Energie. Lass sie positiv sein.
  2. Identifiziere diejenigen, denen du geben möchtest. Frage dich: „Wer bereichert mein Leben und leidet unter der jetzigen Situation besonders?“ Oder ganz allgemein: „Wer hat es jetzt besonders schwer?“ Recherchiere oder überlege, wie und was du adäquat geben kannst. Manche haben eine offizielle Spendenkampagne ins Leben gerufen, anderen kannst du über Paypal oder per Überweisung Geld zukommen lassen oder bei Ihnen jetzt online einkaufen, wieder andere musst du direkt fragen, ob und wie du sie unterstützen darfst.
    Wenn du eine persönlichere Beziehungen zu denen hast, die du unterstützen möchtest, kann es ggf. auch ein Päckchen sein, das du schickst, oder ein Einkauf, den du erledigst und bezahlst.
  3. Wenn Du alle Informationen zusammen hast, geht’s ans Eingemachte. Nämlich daran zu entscheiden, wer was bzw. wie viel bekommt. Manche gehen hier rational ran: Erstmal den Gesamtbetrag festlegen und dann verteilen. Andere machen das eher aus dem Bauch heraus, spontan und nach Impuls. Beides ist gut.
    Ein paar Gedanken zur Höhe: Eine meiner Meditationslehrerinnen sagte immer: „Für sich selbst wenig zu haben ist kein Grund, nichts zu geben. Geben ist ein Mindset, wer wenig hat und nichts gibt, würde auch nichts geben, wenn er viel hätte.“ Eine andere Meditationslehrerin riet: „Dana (die Spende) sollte dich nicht ruinieren, aber sie sollte ein kleines bisschen wehtun.“
    Dieser Schritt ist ohne Frage der schwierigste. Lass ihn wirken, lass ihn dich bewegen, dich innerlich beschäftigen und lausche deinen Gedanken.
  4. Herzlichen Glückwunsch! Die Vorbereitung ist gemacht. Nun kommt der schöne Teil: Das Geben selbst. Genieße es. Gib aus vollem Herzen und mit den besten Wünschen.

Und wenn du jetzt gerade auf der anderen Seite stehst, wenn du aktuell Unterstützung brauchst, wenn du weder ein noch aus weißt. Trau‘ dich nach Hilfe zu fragen und diese dankbar anzunehmen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.