Rhythmus

Als ich in der Schule war, hatte ich einen Lehrer, der großen Wert auf einen guten und gesunden „Rhythmus“ legte. Immer wenn eine Klassenarbeit geschrieben, also eine Phase angestrengten Lernens und Klausurstress überstanden war, wählte er nach dem Zufallsprinzip einen Schüler oder eine Schülerin aus der Klasse aus, der oder die das Wort „Rhythmus“ an die Tafel schreiben sollte. Wenn dies orthographisch korrekt erfolgte, was in der Regel der Fall war, manchmal auch mit Unterstützung der ganzen Klasse, folgte eine Stunde teilweise etwas derber Volksgesänge.

Neben den Texten und Melodien von Liedern wie „Bolle reiste jünst zu Pfingsten…“ und „Als die Römer frech geworden…“ lernten wir dabei ganz nebenbei auch den Wert der Abwechslung von Phasen mit großer Arbeitsdichte und der darauffolgenden Entspannung und Leichtigkeit.

Feiern nach großen Anstrengungen gibt es immer wieder. Die Chefin spendiert spontan eine Flasche Sekt zur erfolgreichen Neukundenakquise, das ganze Projektteam geht zusammen essen, um den Projektabschluss zu feiern. Freunde laden zur Einweihungsparty nach dem Umzug und der kleine Bruder lässt es zum Abschluss des Studiums so richtig krachen.

Was ist aber mit subtileren Phasen der Anstrengung? Mit persönlichen, ganz individuellen Stressphasen, psychischen Tiefs, inneren Kämpfen. Gönnen wir uns eine bewusste Zeit der Entspannung, wenn diese enden? Sei es auch nur etwas Kleines? Eine Tasse Tee in der Sonne, ein Sonntagmorgen im Bett, ein Kinobesuch?

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